That´s my job
Ok, wir sollten langsam mal klar stellen, was genau ich eigentlich so meine Aufgaben hier sind. Ich werde immer mal wieder gefragt, was ich so den ganzen Tag mache. Ehrlich gesagt: Nichts. Also nicht wirklich nichts, aber eben nichts Spezielles. Ich werde hier mal einen durchschnittlichen Tag in meinem Au Pair Leben beschreiben. Und ich wette, danach sind alle neidisch auf meine Gastfamilie. Wetten?!
08.00 Uhr Ich stehe spätestens auf. Jaaa, das ist ne tolle Zeit, nicht wahr?! Das werde ich auch wirklich vermissen. Allerdings heißt das nicht, dass ich auch bis 08.00 Uhr schlafe! Die Kinder sind meist so ab 07.00Uhr wach und nehmen keine bis wenig Rücksicht auf eventuelle noch schlafende Au Pairs. Leider.
Der Vorteil ist, dass man schon an seinem „Arbeitsplatz” ist, und nicht noch außer Haus muss. Man kann quasi frühstücken und dabei schon Aufträge verteilen. Ok, ICH nehme meistens mein Frühstück ein, ohne dabei Aufträge oder andere verbale Laute von mir zu geben. Ich bin einfach nicht sehr gesprächig morgens. Und die Kinder machen Krach für 5 Leute. Ich würde sowieso nicht zu Wort kommen…
8.45Uhr Hazel wird abgeholt und verschwindet in die Schule.
9.00 Uhr Die Eltern verabschieden sich und nehmen sich der Gärtnerei und den Pflänzchen an.
09.00 bis ca 10.30 Uhr (differiert) Danny guckt früh meistens TV. Nicht weil ich ihn nicht beschäftigen könnte oder will, sondern weil seine Eltern das meistens vorschlagen bevor sie gehen.
Ich beschäftige mich derweil mit der Hausarbeit. Angefangen wird bei der Küche, die ich von gebrauchtem Geschirr frei räume, alles abwische und so weiter. Danach räume ich alles auf, was so herum liegt. Die Kinder (und nicht nur die) lassen gerne alles an der Stelle fallen, wo ihnen einfällt dass sie es nicht mehr brauchen. Nebenbei stopfe ich alles in die Waschmaschine, was man darin so waschen könnte. Hier kommt das UNGLAUBLICHE: Ich wasche jeden Tag mindestens 1 Wäsche. Mindestens. Gewaschen wird mit kaltem Wasser, alle Farben, alle Materialien zusammen. Wir sind ein 5 Personen Haushalt und waschen jeden Tag eine Wäsche mindestens. Mittlerweile verfahre ich nach der Hotelmethode, das heißt ich wasche alles was auf dem Boden liegt. Und das ist genug. Ich bin froh, dass hier nicht noch gebügelt wird. Dann würden sie wohl wirklich noch ein Hausmädchen brauchen! Dann räume ich die Kinderzimmer, das Bad und das Schlafzimmer auf. Ich nehme die trockene Wäsche vom Vortag ab, lege sie zusammen und verteile sie auf die zugehörigen Schränke. Danach staubsauge ich die ganze Wohnung – auch jeden Tag. Am Anfang dachte ich, dass wäre ja wohl nicht nötig für den Rest meines Aufenthalts. Aber bisher ist es dabei geblieben. Nachdem ich die Wäsche zum Trocknen aufgehängt habe, ist es meistens auch (schon) vorbei mit der Hausarbeit.
10.30 bis 13.40 Uhr Wenn er es nicht schon ist, versuche ich Danny vom Fernseher wegzubekommen, biete ihm Spiele, Puzzles, Playroom oder irgendwas an. Manchmal guckt er den Film noch zu Ende und ich „trainiere” auf einem der Sportgeräte…
Wir spielen also irgendetwas und wenn das Wetter gut ist, dann gehen wir raus und springen auf das Trampolin. Sind also so 1-2 h draussen an der frischen Luft. Manchmal gehen wir zu den Großeltern und spielen Golf (ok, es ist eher Löcher in den Rasen hacken, aber macht ja nichts!) oder jagen die Hunde (hab ich schon erwähnt dass ich kein großer Tierfreund bin?!)
13.40 Uhr kommen die Eltern zum Lunch nach Hause. Manchmal auch nur einer, je nachdem wie viel es in der Nursery zu tun gibt. Zum Lunch gibt es entweder Suppe oder Salat. Oder Brot. Jedenfalls was relativ leichtes und einfaches. „Richtig” gegessen wird dann abends.
14.45 Uhr Auftritt Hazel. Meistens kommt sie tierisch genervt von der Schule nach Hause (das in ihrem Alter!!). Liegt aber vor allem daran, dass ihre Tischnachbarin sie jeden Tag ärgert und die Lehrerin nicht wirklich etwas dagegen unternimmt. Wir Beide machen dann die Hausaufgaben. Da die englische Sprache „very opaque” ist (habe ich letztes Semester bei Frau Rymarczk gelernt…), d.h. man spricht nicht so wie man schreibt und es gibt 1000 Ausnahmen (also sind Ableitungen so gut wie tabu!), müssen die Kinder hier von Anfang an Wörter quasi „auswendig lernen”. In Deutschland wendet man diese „Ganzwortmethode” (d.h. das Wort, sein Umriss, Aussehen etc wird gelernt, nicht Buchstabenweise) nicht mehr so häufig an, weil die deutsche Sprache einfach anders ist. So. Zurück zu Hazel: Sie muss jeden Tag 1-2 Seiten aus einem Buch lesen (laut) und Wörter schreiben. Das kam dann zu so lustigen Übungen wie „Schreibe 3 positive Dinge über Eis” (nicht das zum Essen) und am darauf folgenden Tag dann 3 negative Dinge. Wie sinnvoll. Aber nun gut.
15.30 bis 17.30 Uhr Hausaufgaben abgehakt. Uniform ausziehen, normale Kleidung anziehen. Danach wird gespielt bis der Arzt die Eltern nach Hause kommen. Je nach Wetterlage, Stimmung, Gesundheitsstand und Enthusiasmus von meiner Seite kann das drinnen oder draussen sein. Spielzeug gibt es ja mehr als genug!
17.30 Uhr Feierabend, Arbeit aus, Eltern kommen vergnügt nach Haus. Ich habe damit fertig. Aber da ich ja hier wohne, spiele ich manchmal trotzdem noch mit den Kindern, lese was vor oder oder oder. Der Abend ist dann ganz meinem Laptop und der Kommunikation gewidmet!
Es lebe das Internet! Übrigens gehe ich relativ früh ins Bett, so gegen 22 Uhr lieg ich meistens schon flach. Und trotzdem bin ich immer müde früh. Tz tz tz! Wird eine ganz schöne Umgewöhnung in good old Germany…
Au Pairs, sowie Gastfamilien findet man übrigens, unter Anderem, hier.



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